Praxisleitfaden zur Auswahl der richtigen Drehdurchführung für Ihre Anlage
Drehdurchführungen sind kritische Komponenten in Systemen zur Übertragung von Fluiden von stationären auf rotierende Maschinenteile. Sie ermöglichen den verlustfreien Transfer von Wasser, Dampf, Öl, Luft, Gasen und anderen Medien und gewährleisten Zuverlässigkeit sowie konstante Performance – auch unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen. Die richtige Auswahl wirkt sich unmittelbar auf Produktionseffizienz, Lebensdauer, Wartungsaufwand und Betriebskosten aus.
Wann und warum wird eine Drehdurchführung in Ihrer Anlage benötigt?
Typische Funktionen:
• Übertragung von Medien für Wärmeübertragungsprozesse (z. B. Dampf/Wasser in Trockenzylindern der Papierproduktion)
• Versorgung von Kühlschmierstoff oder MQL in Werkzeugmaschinenspindeln

Welche technischen Schlüsselparameter sind zu berücksichtigen?
Die Auswahl einer Drehdurchführung hängt nicht ausschließlich vom Medium ab, sondern stellt ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Betriebsparametern, geforderter Leistung und Umgebungsbedingungen dar.
3.1 Druck (BAR / PSIG)
Der Betriebsdruck beeinflusst die Auswahl der Dichtungstechnologie und der Werkstoffe. Drehdurchführungen mit hochwertigen Dichtungen und ausgewuchteten Gleitringdichtflächen gewährleisten auch bei hohen Drücken stabile Betriebsbedingungen.
3.2 Drehzahl (RPM)
Hohe Drehzahlen erfordern Lager- und Dichtungssysteme, die für geringe Reibung und dynamische Stabilität optimiert sind. Bei der G-Serie von Johnson-Fluiten können in speziellen Ausführungen für Werkzeugmaschinen Drehzahlen von über 50.000 RPM erreicht werden.
3.3 Medium- / Umgebungstemperatur
Die Auswahl geeigneter Dichtungs- und Werkstoffe ist entscheidend. Materialien wie PTFE oder spezielle Ausführungen ermöglichen in kritischen Anwendungen den sicheren Einsatz bei Medientemperaturen von bis zu 300–400 °C.
3.4 Mediumart
Wasser, Dampf, Thermoöl oder Gase erfordern kompatible Dichtungs- und Werkstoffkombinationen, die Zuverlässigkeit und Wartungsintervalle maßgeblich beeinflussen.
3.5 Abmessungen und Querschnitt der Durchgänge
Die Durchgänge bestimmen den Nenndurchmesser der Drehdurchführung sowie die Strömungsgeschwindigkeit des Mediums. Größere Querschnitte ermöglichen höhere Volumenströme bei reduzierten Druckverlusten.
3.6 Anzahl der Durchgänge
Von ein- bis mehrkanalig: Mehrere getrennte Kanäle erlauben die gleichzeitige Übertragung unterschiedlicher Medien, erfordern jedoch eine fortschrittliche Abdichtungstechnologie.

Auswahl der richtigen Drehdurchführung: Zwei Ansätze
1. Auswahl nach Anwendungsbranche
Papier- und Kartonindustrie
• Anforderung: Dampf-/Kondensatmanagement zur Trocknung und Energieoptimierung
• Empfohlene Lösungen: Mehrkanal-Drehdurchführungen für Dampf/Wasser mit korrosionsbeständigen Werkstoffen
Textilindustrie
• Anforderung: Hohe Prozesspräzision bei Faser- und Veredelungsprozessen
• Lösungen: Drehdurchführungen mit hoher Betriebssicherheit auch bei niedrigen Drehzahlen und Drücken
Gummi- & Kunststoffindustrie
• Anforderung: Übertragung von Öl/Luft in Extrusions- und Mischprozessen
• Lösungen: Drehdurchführungen mit speziell ausgelegten Dichtungen für viskose Medien
Chemie & Pharma
• Anforderung: Hohe Reinheitsstandards und chemische Beständigkeit
• Lösungen: Edelstahl AISI 316, FDA- und ATEX-konforme Dichtungen
Stahlindustrie
• Anforderung: Beständigkeit gegen extreme Betriebsbedingungen
• Lösungen: Robuste Drehdurchführungen mit Werkstoffen für hochbelastete Anwendungen
Lebensmittelindustrie
• Anforderung: Einhaltung hygienischer Vorschriften, Dampf-/Wasserübertragung für Prozesswärme
• Lösungen: Edelstahl-Drehdurchführungen mit zertifizierten Dichtsystemen
Werkzeugmaschinen
• Anforderung: Hohe Drehzahlen und Präzision
• Lösungen: Drehdurchführungen für hohe Drehzahlen und hohe Drücke
Energieindustrie
• Anforderung: Medien mit hohen Drücken und Temperaturen
• Lösungen: Kundenspezifische Drehdurchführungen für extreme Einsatzbedingungen.
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2. Auswahl anhand der Betriebsparameter
Ein pragmatischer Ansatz beginnt mit der Analyse der konkreten Betriebsdaten Ihrer Anlage:
-
Nenn- und Maximaldruck des Mediums definieren
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Durchschnittliche und maximale Drehzahl bestimmen
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Erwartete Betriebstemperatur festlegen
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Art des zu übertragenden Mediums klassifizieren
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Erforderliches Volumen und Anzahl der Durchgänge berechnen
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Umgebungsbedingungen bewerten (Staub, Vibrationen, hohe Umgebungstemperaturen)
Diese Methodik führt zu einer Shortlist geeigneter technischer Modelle sowie zu möglichen kundenspezifischen Anpassungen (z. B. Spezialdichtungen, spezifische Werkstoffe, Sonderflansche).

Schnelle Checkliste vor der Bestellung
Vor einer Anfrage an Ihr Einkaufsteam oder an Johnson-Fluiten prüfen Sie bitte:
✔ Mediumart und Werkstoffkompatibilität
✔ Angegebener Druck- und Drehzahlbereich
✔ Erforderliche Anzahl und Art der Durchgänge
✔ Klare Anforderungen an die Betriebstemperatur
✔ Korrekte Dimensionierung zur Vermeidung von Druckverlusten
✔ Erforderliche Zertifizierungen (FDA/ATEX, falls relevant)
Die Auswahl einer Drehdurchführung ist ein technischer Prozess, der auf realen Betriebsdaten und klar definierten Leistungsanforderungen basieren muss. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Anbieter hilft, Auslegungsfehler zu vermeiden, Stillstandzeiten zu reduzieren und die Gesamteffizienz nachhaltig zu verbessern.
Technisches Glossar
Drehdurchführung / Rotary Union / Rotary Joint
Mechanische Vorrichtung zur Übertragung von Medien (Dampf, Wasser, Öl, Gas, Kühlmittel, Luft usw.) von einem stationären auf ein rotierendes Bauteil bei gleichzeitiger Abdichtung und minimierten Leckagen. Unverzichtbar in industriellen Systemen mit rotierenden Zylindern, Spindeln, Walzen und Pressen.
Durchgänge / Channels
Interne Kanäle der Drehdurchführung, durch die das Medium geführt wird. Je nach Anzahl der zu übertragenden Medien ein- oder mehrkanalig ausgeführt.
Gleitringdichtung (Mechanical Seal)
Dichtungssystem zur Vermeidung von Leckagen während der Rotation. Ausführungen können ausgewuchtet, als Lippendichtung, hydrostatisch oder plastomerbasiert ausgelegt sein – abhängig von der Anwendung.
Labyrinthdichtung
Dichtungskonzept mit verschlungenem Strömungsweg zwischen rotierendem und stationärem Teil, das Leckagen durch Strömungswiderstand statt direkten Kontakt minimiert.
Lager / Bearings
Bauteile zur Unterstützung der Rotation und Sicherstellung der Fluchtung beweglicher Komponenten. Kugel-, Rollen- oder Speziallager beeinflussen Drehzahl- und Belastbarkeit.
RPM (Umdrehungen pro Minute)
Maßeinheit der Drehzahl. Ein kritischer Parameter, da er Reibung, Dichtungsverschleiß, Lagerauswahl und Gesamtleistung beeinflusst.
Druck (BAR / PSIG)
Vom Medium im Inneren der Drehdurchführung ausgeübte Kraft. Beeinflusst die Auswahl von Dichtungstechnologie und Werkstoffen; höhere Drücke erfordern optimierte Ausführungen.
Temperatur (°C / °F)
Definiert den thermischen Einsatzbereich der Drehdurchführung und der Dichtwerkstoffe. Hohe Temperaturen erfordern spezielle Werkstoffe und interne Komponenten.
Dichtung / Seal
Elastisches oder starres Element zur Abdichtung zwischen Oberflächen und Minimierung von Leckagen. Typische Werkstoffe sind PTFE, Graphit, Elastomere oder technische Keramiken.
Dichtungsauswuchtung
Konstruktives Prinzip zur Aufrechterhaltung konstanter Anpresskräfte auf den Dichtflächen auch bei Druckschwankungen, wodurch Reibung und Verschleiß reduziert werden.
Flansch
Mechanisches Verbindungselement zur Montage der Drehdurchführung an Rohrleitungen oder bestehenden Komponenten und zur Vereinfachung der strukturellen und hydraulischen Integration.
Volumen / Durchgangsdurchmesser
Innenabmessung des Kanals, die Strömungsgeschwindigkeit und Fördermenge bestimmt. Größere Durchmesser ermöglichen höhere Durchflussraten bei geringeren Druckverlusten.
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