Alles, was Konstrukteure, technische Verantwortliche und industrielle Einkäufer über die ATEX-Zertifizierung für Drehdurchführungen wissen müssen.

In industriellen Prozessen, in denen brennbare Flüssigkeiten, brennbare Stäube und potenziell explosionsfähige Atmosphären gleichzeitig auftreten können, muss jede Komponente nach klar definierten Kriterien konstruiert, zertifiziert und betrieben werden. Die Drehdurchführung – ein Bauteil, das Medien (Luft, Wasser, Dampf, Öl usw.) zwischen einem stationären und einem rotierenden Teil überträgt – bildet dabei keine Ausnahme.

In der Pharma-, Chemie- und Lebensmittelindustrie, wo die Sicherheitsvorschriften zu den strengsten weltweit zählen und die Betriebsbedingungen explosionsfähige Atmosphären erzeugen können, ist die ATEX-Konformität keine Option, sondern eine konstruktive Anforderung.

Dieser Artikel beantwortet die häufigsten Fragen von Technikern, Prozessingenieuren und Einkaufsverantwortlichen bei der Auswahl, Integration oder dem Betrieb von ATEX-zertifizierten Drehdurchführungen.

 

Was ist die ATEX-Richtlinie und warum gilt sie für Drehdurchführungen?

Die Europäische Richtlinie 2014/34/EU (ATEX) regelt die Konstruktion und Vermarktung von Geräten und Schutzsystemen für den Einsatz in potenziell explosionsfähigen Atmosphären. Der Begriff ATEX stammt aus dem Französischen ATmosphères EXplosibles.

Eine Drehdurchführung ist an sich keine Explosionsquelle, kann jedoch unter bestimmten Bedingungen zu einer Zündquelle werden:

  • Überhitzung durch Reibung der Dichtungen

  • Übertemperatur der Lager

  • Austritt brennbarer Medien nach außen

  • Funkenbildung durch mechanischen Kontakt zwischen beweglichen Teilen

Aus diesem Grund müssen Drehdurchführungen, die in Anlagen mit klassifizierten ATEX-Zonen installiert sind (Zonen 1, 2, 21, 22 gemäß Richtlinie 1999/92/EG), der Richtlinie 2014/34/EU entsprechen, mit dem Ex-Symbol gekennzeichnet sein und über eine vollständige technische Dokumentation verfügen.

 

 

Welche spezifischen Risiken bestehen bei einer Drehdurchführung in einer ATEX-Zone?

Die Norm EN 13463-1, auf die in technischen Anleitungen für den Einsatz in ATEX-Zonen Bezug genommen wird, identifiziert vier potenziell gefährliche Situationen, die eine Drehdurchführung verursachen kann:

Lokale Überhitzung durch Reibung der Gleitringdichtungen.
Die Gleitflächen der mechanischen Dichtung erzeugen durch Reibung Wärme. Ist die Schmierung unzureichend oder läuft die Drehdurchführung trocken, kann die Oberflächentemperatur schnell ansteigen.

Überhitzung durch Wälzlager.
Die im Bauteil integrierten Lager können bei Verschleiß oder unzureichender Schmierung lokal Wärme erzeugen.

Produktsleckage.
Verschleiß oder Beschädigung der Dichtungen kann zum Austritt von Medium führen. Ist das Medium entzündlich oder explosiv, entsteht sofort eine Gefährdungssituation.

Funkenbildung durch mechanischen Kontakt.
Lagerverschleiß kann dazu führen, dass rotierende und stationäre Teile miteinander in Kontakt kommen, was Funken erzeugen kann.

Die korrekte Bewertung dieser Risiken – jeweils in Abhängigkeit von den Betriebsbedingungen der Anlage – liegt in der Verantwortung des Maschinenherstellers, in dessen Maschine die Drehdurchführung integriert wird (OEM), und anschließend beim Endanwender.

 

Wie wird eine ATEX-Drehdurchführung klassifiziert? Was bedeuten die Kennzeichnungen auf dem Typenschild?

Die ATEX-Klassifizierung einer Drehdurchführung folgt dem in der Richtlinie 2014/34/EU definierten Schema. Die auf dem Produkt angebrachte Kennzeichnung liefert präzise Informationen über Gerätegruppe, Kategorie, Atmosphärentyp und Schutzmethode.

Eine ATEX-zertifizierte Drehdurchführung von Johnson Fluiten kann beispielsweise folgende Klassifizierung tragen:

 

II 2 G  Ex h  IIC  Gb

II 2 D  Ex h  IIIC  Db

 

II → Gerätegruppe II: Geräte für explosionsgefährdete Bereiche über Tage (außer Bergbau).
2 → Kategorie 2: hohes Schutzniveau, geeignet für Bereiche, in denen explosionsfähige Atmosphären gelegentlich auftreten können (Zone 1 für Gase, Zone 21 für Stäube).
G / D → G = Gas (explosive Atmosphäre aus Gasen, Dämpfen oder Nebeln); D = Dust (brennbare Stäube).
Ex h → Schutzart „Kontrolle von Zündquellen“ gemäß EN 80079-36 und EN 80079-37.
IIC → Gasuntergruppe: die strengste (einschließlich Wasserstoff und Acetylen). IIC umfasst auch IIA und IIB.
IIIC → Staubuntergruppe: die strengste (leitfähige Stäube, z. B. Aluminium, Magnesium).
Gb / Db → Geräteschutzniveau: b = hohes Schutzniveau, geeignet für Zonen 1 (G) und 21 (D).

 

Wie wird die Temperaturklasse für eine Drehdurchführung in einer ATEX-Zone bestimmt?

Dies ist einer der kritischsten Aspekte bei der Integration einer ATEX-zertifizierten Drehdurchführung in eine Anlage.

Die maximale Oberflächentemperatur einer Drehdurchführung hängt nicht nur von der Drehdurchführung selbst ab, sondern von den Betriebsbedingungen der Maschine, in der sie installiert ist:

  • Prozesstemperatur des Mediums

  • Drehzahl

  • Dichtungstyp

  • Schmierung

Aus diesem Grund kann die Temperaturklasse der Drehdurchführung vom Hersteller nicht absolut im Voraus festgelegt werden. Der Maschinenhersteller (OEM) muss:

• die Prozesstemperatur bewerten
• die zusätzliche Temperaturerhöhung durch die Drehdurchführung berücksichtigen (Reibung der Gleitringdichtung + Wärme des Lagers)
• prüfen, ob die resultierende maximale Oberflächentemperatur unter dem Grenzwert der Temperaturklasse der vorhandenen Atmosphäre liegt

Die anwendbaren Temperaturklassen gemäß EN 13463-1 § 6.1.2 reichen von T2 bis T6:

 

T2 → max 300°C

T3 → max 200°C

T4 → max 135°C

T5 → max 100°C

T6 → max 85°C

 

Die Norm EN 1127-1 (§ 6.4.2) definiert die Sicherheitsmargen:
Bei Gasen und Dämpfen darf die maximale Betriebstemperatur 80 % der Mindestzündtemperatur der vorhandenen Atmosphäre nicht überschreiten. Bei Stäuben sinkt der Grenzwert auf 2/3.

Betriebshinweis:
Während der Inbetriebnahme und bei Funktionstests in ATEX-Zonen müssen Temperaturmessungen an Dichtung und Lager mindestens 2 Stunden unter realen Betriebsbedingungen durchgeführt werden, mit Kontaktthermometern in den vorgesehenen Messbohrungen im Gehäuse der Drehdurchführung.

 

 

Pharma-, Chemie- und Lebensmittelindustrie: unterschiedliche Anforderungen. Wie ändern sich die Spezifikationen der ATEX-Drehdurchführungen?

Pharmaindustrie

Die Pharmaindustrie kombiniert ATEX-Sicherheitsanforderungen mit einigen der höchsten Hygiene- und Produktreinheitsstandards der Industrie.

Die durch Drehdurchführungen geführten Medien können umfassen:

  • entzündliche organische Lösungsmittel (ATEX-klassifiziert)

  • gereinigtes Wasser

  • Sterilisationsdampf

  • Stickstoff als Inertgas

Typische Anwendungen sind:
Synthesereaktoren, Mischer, Rotations­trockner, Zentrifugen zur Fest-Flüssig-Trennung.

Gerade bei Zentrifugen muss die Drehdurchführung hohe Drehzahlen und starke Zentrifugalkräfte bewältigen und gleichzeitig die Integrität der Dichtung sowie die Vermeidung von Produktkontamination gewährleisten.

Die verwendeten Materialien müssen zwei Anforderungen erfüllen:
chemische Beständigkeit gegenüber Lösungsmitteln und Kompatibilität mit FDA-Vorschriften oder GMP-Anforderungen.

Legierungen wie Hastelloy C22 bieten eine hervorragende Korrosionsbeständigkeit gegenüber organischen Säuren und Halogenen und sind daher besonders für pharmazeutische Prozesse in explosionsgefährdeten Umgebungen geeignet.


Chemische Industrie

In der chemischen Industrie ist die Bandbreite der Betriebsbedingungen extrem:
von kryogenen Medien bis zu Temperaturen über 300 °C,
von nahezu Vakuum bis zu mehreren Dutzend Bar Druck,
von neutralen Medien bis zu hochaggressiven Substanzen.

Die Präsenz von Kohlenwasserstoffen, Lösungsmitteln, brennbaren Gasen oder organischen Stäuben macht die ATEX-Klassifizierung zu einem festen Bestandteil der Anlagenplanung.

Drehdurchführungen müssen Medien wie folgende handhaben können:

  • Wärmeträgeröl (Thermalöl) für Hochtemperaturprozesse

  • Ethylenglykol in Kühlkreisläufen

  • gesättigten oder überhitzten Dampf zur Energieübertragung

Bei Medien mit Leckagerisiko in klassifizierte Atmosphären ist entscheidend zu bewerten, ob die Drehdurchführung installiert ist in:

  • Fall A: explosionsfähige Atmosphäre nur innerhalb der Maschine

  • Fall B: nur außerhalb

  • Fall C: auf beiden Seiten

Jede Konfiguration erfordert unterschiedliche präventive Maßnahmen.

Für Fall B und C ist eine Drehdurchführung mit einfacher Gleitringdichtung grundsätzlich nicht ausreichend, wenn explosive Medien vorhanden sind. Die Bewertung des Leckagerisikos muss durch OEM oder Endanwender dokumentiert werden.


Lebensmittelindustrie

In der Lebensmittelindustrie führt das gleichzeitige Auftreten organischer Stäube (Mehl, Zucker, Stärke, Kakao, Malz) mit Förder-, Trocknungs- und Mahlanlagen häufig zu Staub-ATEX-Zonen (21 und 22).

Drehdurchführungen werden häufig eingesetzt bei:

  • rotierenden Bandtrocknern

  • horizontalen Mischern

  • Spray-Drying-Anlagen

Neben der ATEX-Konformität für Staubatmosphären (Kategorie D) müssen produktberührende Materialien den Vorschriften EC 1935/2004 und gegebenenfalls FDA 21 CFR entsprechen.

Auch die Reinigbarkeit der Drehdurchführung ist ein kritischer Faktor, um die Bildung von Staubwolken in der Nähe des Bauteils zu vermeiden.

Die Norm EN 1127-1 (§ 6.2.3.4) legt fest, dass bei brennbaren Stäuben der Kategorie D der Anwender Staubablagerungen auf der äußeren Oberfläche der Drehdurchführung verhindern muss. Diese Verantwortung liegt beim Installateur bzw. Betreiber, nicht beim Hersteller der Drehdurchführung.

 

 

Welche regelmäßigen Kontrollen sind bei einer Drehdurchführung in einer ATEX-Zone erforderlich?

Die vorausschauende und präventive Wartung einer Drehdurchführung in ATEX-Zonen ist keine Option, sondern integraler Bestandteil des Sicherheitsmanagementsystems.

Die technischen Betriebsanleitungen (HIAG) definieren eine minimale Wartungsplanung:

Alle 100 Betriebsstunden (oder einmal pro Woche) überprüfen:

• Temperatur der Gleitringdichtung (Kontaktthermometer an den vorgesehenen Messstellen im Gehäuse)
• Temperatur des Wälzlagers
• Lagerspiel (bei Versionen mit Spielüberwachung Typ Z)
• Emissionen: normale Leckage zur Atmosphärenseite, besonders zu überwachen bei gefährlichen Medien

Für den Austausch von Komponenten gelten folgende Richtlinien:

• Gleitringdichtungen: Austausch alle 5.000 Betriebsstunden
• Wälzlager: Austausch alle 10.000 Betriebsstunden

Achtung:
Jede Wartung oder der Austausch von Komponenten an einer ATEX-Drehdurchführung muss in einer zertifizierten Fachwerkstatt durchgeführt werden. Nach jedem Eingriff muss das Bauteil erneut geprüft und die Ex-Kennzeichnung wieder angebracht werden, um die Integrität der Zertifizierung zu gewährleisten. Dies ist eine Anforderung der Richtlinie 2014/34/EU, keine Empfehlung.

Dry running (Trockenlauf) – Rotation ohne Medium im Inneren der Drehdurchführung – wird in ATEX-Zonen nicht empfohlen.
Unzureichende Schmierung der Gleitflächen kann innerhalb kurzer Zeit zu einem starken Temperaturanstieg in der Umgebung führen. Anwendungen mit Trockenlauf müssen daher vom Engineering des Lieferanten fallweise bewertet werden.

 

Wann kann eine Standard-Drehdurchführung statt einer spezifisch ATEX-zertifizierten verwendet werden?

Diese Frage ist berechtigt, und die Antwort hängt von einer technischen und normativen Bewertung ab, die nicht pauschal getroffen werden kann.

In einigen Fällen kann eine Standard-Drehdurchführung mit den Anforderungen einer ATEX-Anwendung kompatibel sein, sofern:

• die Risikobewertung durch OEM oder Endanwender bestätigt, dass die Drehdurchführung unter den spezifischen Betriebsbedingungen keine Zündquelle darstellen kann
• eine ATEX-Kennzeichnung nach technischer Überprüfung angebracht wird
• ein formelles ATEX-Zertifikat zur Anlagendokumentation verfügbar ist

In solchen Fällen können auch Lagerkomponenten verwendet werden, sofern die Dokumentation gemäß Richtlinie 2014/34/EU Art. 13 Abs. 3 (Konformitätsbescheinigung) bereitgestellt wird.

Die Bewertung muss stets in enger Zusammenarbeit mit dem Lieferanten erfolgen und vollständige Betriebsdaten berücksichtigen:
Medium, Temperatur, Druck, Drehzahl, Einbausituation und Zoneneinstufung.

 

Welche Materialien werden bei ATEX-Drehdurchführungen für aggressive Umgebungen eingesetzt?

Die Materialauswahl folgt zwei Kriterien:

  1. Beständigkeit gegenüber den Prozessbedingungen (Temperatur, Druck, chemische Aggressivität)

  2. Kompatibilität mit Sicherheitsanforderungen in explosionsgefährdeten Bereichen (keine funkenbildenden Materialien bei Stoß oder Reibung)

Für chemische und pharmazeutische Anwendungen mit aggressiven Medien bieten hochkorrosionsbeständige Legierungen wie Hastelloy C22 eine Leistungsfähigkeit, die mit Standard-Edelstählen kaum erreichbar ist.

Sie widerstehen:

  • organischen und anorganischen Säuren

  • Chlor und Chlorverbindungen

  • starken Oxidationsmitteln

Die Gleitringdichtung ist ein besonders kritisches Element. Materialien der Gleitflächen (Siliziumkarbid, Wolframkarbid, Graphit) sowie O-Ringe (PTFE, EPDM, Viton, Kalrez) müssen entsprechend der chemischen Kompatibilität und den Betriebstemperaturen ausgewählt werden.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass eine Temperaturerhöhung durch Reibung unvermeidlich ist und bei der Überprüfung der ATEX-Temperaturklasse der Installation berücksichtigt werden muss.

 

 

Wie integriert sich das ATEX-Management in das Total Cost of Ownership (TCO) einer Anlage?

  • Die ATEX-Zertifizierung hat einen direkten Einfluss auf den Total Cost of Ownership (TCO) einer Anlage – ein Faktor, der in der Beschaffungsphase oft unterschätzt wird.

    Eine nicht zertifizierte oder schlecht gewartete Drehdurchführung in ATEX-Zonen kann zu erheblichen Kosten führen:

    • regulatorische Sanktionen (Nichtkonformität mit Richtlinie 2014/34/EU)

    • zivil- und strafrechtliche Haftung bei Unfällen

    • ungeplante Anlagenstillstände

    • Kosten für Dekontamination und Wiederherstellung

    Ein korrektes Management der ATEX-Drehdurchführung hingegen – richtige Auswahl, korrekte Installation und geplante Wartung – bietet messbare Vorteile:

    • Reduzierung ungeplanter Stillstände durch regelmäßige Überwachung von Temperatur und Leckage
    • Verlängerung der Lebensdauer durch geplanten Austausch von Dichtungen (5.000 h) und Lagern (10.000 h)
    • Vereinfachung regulatorischer Audits durch vollständige technische Dokumentation
    • Reduzierung des Betriebsrisikos mit positiven Auswirkungen auf Versicherungskosten und Unternehmensreputation

 

Wie spezifiziert man eine ATEX-Drehdurchführung korrekt in einer Angebotsanfrage?

Eine unvollständige Angebotsanfrage verzögert den Auswahlprozess und erhöht das Risiko von Planungsfehlern.

Für eine präzise technische Bewertung durch den Lieferanten müssen folgende Daten bereitgestellt werden:

• Medium (chemischer Name, Konzentration, Feststoffanteile)
• Prozesstemperatur (min–max) und Betriebsdruck (min–max)
• Drehzahl (RPM)
• ATEX-Zoneneinstufung (Zone 1/2 für Gase, Zone 21/22 für Stäube) und Gas- oder Staubgruppe
• Einbaukonfiguration (freitragend oder gelagert; Gas/Dämpfe innen, außen oder auf beiden Seiten)
• anwendbare Hygienestandards (FDA, GMP, EC 1935/2004 für Lebensmittel)
• mögliche Platz- oder Schnittstellenbeschränkungen

Mit diesen Informationen kann der Lieferant die geeignete technische Lösung bestimmen, die Materialkompatibilität prüfen, den erwarteten Temperaturanstieg berechnen und die vollständige ATEX-Dokumentation für die Integration in die Anlage bereitstellen.

 

 


 

Möchten Sie die richtige Lösung für Ihre Anwendung bewerten?

  • Kontaktieren Sie das technische Team von Johnson Fluiten mit den Betriebsdaten Ihrer Anlage.
    Unsere Engineering-Abteilung unterstützt Sie bei der Auswahl, prüft die Konformität mit der ATEX-Richtlinie und stellt die vollständige Dokumentation für die Integration in klassifizierte Anlagen bereit

 


 

Technisches Glossar

ATEX — Akronym aus dem Französischen ATmosphères EXplosibles. Bezeichnet die europäischen Vorschriften (und die entsprechenden Produkte), die die Sicherheit in Umgebungen regeln, in denen sich explosionsfähige Gemische aus Luft und Gasen, Dämpfen oder Stäuben bilden können. Eine ATEX-Zertifizierung garantiert, dass ein Bauteil unter den vorgesehenen Bedingungen keine Explosion auslösen kann.

Drehdurchführung — Mechanisches Bauteil, das den Durchfluss eines Mediums (Wasser, Dampf, Öl, Druckluft …) zwischen einem stationären Teil der Anlage und einem kontinuierlich rotierenden Teil ermöglicht, etwa einer Trocknertrommel, einem Kalanderzylinder oder dem Kopf eines Mischers.

Gleitringdichtung — Internes Bauteil der Drehdurchführung, das verhindert, dass das Medium nach außen austritt, während sich die Teile drehen. Sie besteht aus zwei glatten Flächen (eine feststehend, eine rotierend), die gegeneinander gleiten. Die Reibung erzeugt Wärme – deshalb ist die Temperatur der Dichtung einer der wichtigsten Überwachungsparameter in ATEX-Zonen.

ATEX-Zone (Zone 1, 2, 21, 22) — Klassifizierung des Risikoniveaus eines Anlagenbereichs entsprechend der Wahrscheinlichkeit, dass eine explosionsfähige Atmosphäre entsteht. Zone 1 und Zone 2 betreffen Gase und Dämpfe (Zone 1 ist gefährlicher). Zone 21 und Zone 22 betreffen brennbare Stäube.

Ex-Kennzeichnung — Symbol auf einem ATEX-zertifizierten Bauteil. „Ex“ steht für Schutz in explosionsfähigen Atmosphären. Zusätzliche Kennzeichnungen (z. B. h, IIC, Gb) beschreiben die Schutzmerkmale im Detail.

Dry running (Trockenlauf) — Zustand, in dem sich die Drehdurchführung dreht, ohne dass Prozessmedium durch sie strömt. Dies ist kritisch, weil die normalerweise durch das Medium geschmierte und gekühlte Dichtung schnell überhitzt und die zulässigen Temperaturgrenzen der ATEX-Klassifizierung überschreiten kann.

Wärmeträgeröl — Spezialfluid für industrielle Heizsysteme, das Wärme bei hohen Temperaturen (bis über 300 °C) übertragen kann, ohne zu verdampfen. Häufig eingesetzt in chemischen, pharmazeutischen und Lebensmittelprozessen.

Hastelloy C22 — Hochkorrosionsbeständige Metalllegierung auf Nickel-, Chrom- und Molybdänbasis. Wird in Anwendungen eingesetzt, in denen herkömmliche Edelstähle schnell versagen würden, etwa in sauren Umgebungen, bei chlorhaltigen Medien oder aggressiven Lösungsmitteln.

TCO – Total Cost of Ownership — Gesamtkosten eines Bauteils oder Systems über seine gesamte Lebensdauer hinweg, einschließlich Wartung, Ersatzteile, Ausfallzeiten, Energieverbrauch und Entsorgung. Im ATEX-Kontext umfasst dies auch regulatorische Compliance-Kosten und rechtliche Haftungsrisiken.

OEM – Original Equipment Manufacturer — Hersteller der Maschine oder Anlage, in die die Drehdurchführung integriert wird. Im ATEX-Kontext ist der OEM verantwortlich für die Bewertung des gesamten Systems hinsichtlich Explosionsrisiken und für die Konformitätserklärung der Maschine.

GMP – Good Manufacturing Practice — Richtlinien für gute Herstellungspraxis in der Pharma- und Lebensmittelindustrie, die sicherstellen, dass Produktionsprozesse kontrolliert und dokumentiert ablaufen. Für mechanische Komponenten bedeutet dies Anforderungen an Materialrückverfolgbarkeit, Reinigbarkeit der Oberflächen und Vermeidung von Produktkontamination.

Physiologische Leckage — Minimale Fluidmenge, die unter normalen Betriebsbedingungen aus der Gleitringdichtung austreten kann, ohne einen Defekt darzustellen. Sie gilt innerhalb der vom Hersteller festgelegten Grenzen als akzeptabel; in ATEX-Zonen muss sie überwacht werden, wenn das Medium entzündlich oder toxisch ist.

 


Autore dell’articolo

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Victor Caronni – Marketing Manager 

Victor Caronni è Marketing Manager con esperienza pluriennale nel marketing B2B industriale e nella comunicazione tecnica.
Si occupa personalmente di ideare, pianificare e realizzare strategie, campagne e contenuti per i brand Kadant e Johnson-Fluiten, curando ogni fase del processo.
È specializzato in strategie di marketing digitale integrato che si allineano agli obiettivi aziendali e che generano un impatto diretto sul fatturato.
Il suo approccio unisce visione strategica e concretezza operativa, per garantire che ogni iniziativa produca risultati misurabili e duraturi.

 

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